Leben im Rhythmus der Zeit – warum uns Saisonen Halt geben
Wir leben in einer Zeit, in der alles jederzeit verfügbar ist: Ideen, Produkte, Inspirationen, Jahreszeiten.
Kaum ist Weihnachten vorbei, leuchten uns auf Social Media schon Tulpen, Osterhasen und Frühlingskränze entgegen. Dieses ständige „ein bisschen früher, ein bisschen schneller“ fühlt sich für viele normal an – und doch bleibt oft ein leises Gefühl von Überforderung zurück. Genau hier setzt der Gedanke an, wieder stärker im Rhythmus der Jahreszeiten zu leben.
Es geht dabei nicht um richtig oder falsch. Niemand muss seinen Christbaum bis Maria Lichtmess stehen lassen oder auf Frühlingsblumen verzichten. Aber die Frage darf erlaubt sein: Tut uns dieses permanente Vorziehen wirklich gut? Oder rauben wir uns damit etwas sehr Wertvolles – nämlich Ruhe, Vorfreude und Erdung?
Empfehlung zum Thema Maria Lichtmess. Der wunderbare Blogbeitrag von Anette. Hier gehts direkt zum Blog von Anette.
Wenn alles gleichzeitig passiert, verliert es an Bedeutung
Früher hatten Feste, Übergänge und Rituale klare zeitliche Räume. Weihnachten begann nicht im November und endete nicht am 27. Dezember. Die dunkle Jahreszeit hatte ihre eigene Qualität: Rückzug, Stille, weniger Aktion. Erst mit dem zunehmenden Licht kam langsam wieder Bewegung ins Leben.
Heute dagegen ist oft alles gleichzeitig da. Der Advent ist fertig dekoriert, bevor er überhaupt begonnen hat. Das „Warten auf etwas“ entfällt – und mit ihm ein großer Teil der Vorfreude. Vergleichbar ist das mit großen Lebensfesten: Je näher ein Ereignis rückt, desto bedeutungsvoller wird es, weil man sich Schritt für Schritt darauf vorbereitet. Wenn jedoch alles von Anfang an „fertig“ ist, bleibt nur noch Leerlauf.
Diese Dynamik überträgt sich auf viele Lebensbereiche. Wir überholen uns selbst, leben gedanklich ständig voraus und verlieren dabei den Kontakt zum Jetzt.
Rituale als Orientierung – unabhängig vom Glauben
Ob man religiös ist oder nicht: Viele alte Feste und Bräuche orientieren sich an natürlichen Zyklen. Maria Lichtmess, 40 Tage nach Weihnachten, markierte traditionell das Ende der Weihnachtszeit. Die Fastenzeit folgte nicht aus spiritueller Strenge, sondern aus Notwendigkeit – Vorräte wurden knapp, Maßhalten war überlebenswichtig.
Auch das neue Jahr begann für viele Menschen nicht am 1. Januar, sondern fühlbar erst später, wenn das Licht zurückkam und das Leben draußen wieder Fahrt aufnahm. Diese Übergänge gaben Struktur. Sie schufen Pausen, in denen nichts „passieren musste“.
Wenn wir diese Rhythmen komplett ignorieren, entsteht eine innere Unruhe. Nicht, weil wir etwas falsch machen – sondern weil unser Körper und unser Empfinden noch immer Teil dieser natürlichen Zyklen sind.
Saisonales Leben beginnt im Alltag
Besonders deutlich wird das beim Thema Ernährung. Wir wissen heute, dass saisonales und regionales Essen sinnvoll ist – und doch fällt es uns schwer, danach zu leben. Erdbeeren im Winter, Spargel im März, alles jederzeit verfügbar. Aber was bedeutet das für unser Empfinden von Genuss?
Wer alles immer haben kann, verliert das Gefühl für Besonderheit. Die erste heimische Erdbeere im Frühsommer ist nur dann ein echtes Erlebnis, wenn sie nicht schon monatelang vorher auf dem Speiseplan stand. Und trotzdem bleibt die Ernährungsfrage im Sinne des Besonderen: Ist die Erdbeere außerhalb der Saison und außerhalb des Landes gewachsen nicht der gleiche Genuss wie Schokolade? Ist Schokolade dann weniger verwerflich als die Erdbeere dann? Dasselbe gilt für schwere Wintergerichte, die wärmen und sättigen – und im Sommer plötzlich keinen Reiz mehr haben.
Der Körper weiß oft sehr genau, was er braucht. In der kalten Jahreszeit ist es mehr Ruhe, mehr Wärme, mehr Erdung. Erst später kommt wieder Leichtigkeit. Wenn wir das zulassen, entsteht ein natürlicher Wechsel aus Fülle und Reduktion.
Nicht langsamer, sondern stimmiger leben
In einer medialen Welt, die Schnelligkeit belohnt, wirkt dieses Innehalten fast widersprüchlich. Gerade Selbstständige, Kreative und Unternehmerinnen stehen unter Druck, immer vorauszudenken, frühzeitig zu planen, Trends vorwegzunehmen. Das ist Teil des Berufs – und gleichzeitig eine große Herausforderung.
Doch vielleicht geht es nicht darum, alles zu verlangsamen, sondern stimmiger zu gestalten. Dinge dann zu tun, wenn sie sich innerlich richtig anfühlen. Den Winter Winter sein zu lassen. Das Warten nicht als Mangel, sondern als Vorbereitung zu begreifen.
Leben in der Saison heißt nicht Verzicht, sondern Tiefe. Es bedeutet, dem Jetzt Raum zu geben, ohne ständig gedanklich im Nächsten zu sein. Und genau darin liegt für viele eine große Erleichterung: nicht zu früh, nicht zu spät – sondern genau da, wo man gerade ist.
Und hier gehts zur nächsten Podcastfolge: „Warum dir saisonal zu leben, Entspannung bringt!“
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